Fachkräftemangel

Fachkräftemangel: Der Untergang ist abgesagt?

Keine Zahl scheint zu groß, um drohende Lücken abzubilden.
Fehlen in Deutschland in einigen Jahren 8, 10 oder gar 15 Millionen Arbeitskräfte?
Und sind als Folge des Fachkräftemangels Wohlstand und Wohlfahrt gefährdet?

 

Mythen des demografischen Wandels

Ein Experte, der sich seit Jahrzehnten mit Fragen der Demografie befasst, Prof. Thomas Straubhaar , Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg, bis Ende 2014 Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts HWWI, kehrt dieses Szenario um.
Der Fachkräftemangel, so Straubhaar gehöre zu den „Mythen“ des demografischen Wandels. Fachkräftemangel sei in Wahrheit ein „Führungsmangel“. Unternehmen, Arbeitgeber, Politiker sollten nicht klagen oder in Panik verfallen, sondern den Wandel endlich auch als Chance begreifen, die Zukunft positiv zu gestalten.
Zurzeit begegne man den Veränderungen vielfach noch mit den Methoden des vergangenen Jahrhunderts, so Straubhaar. Viele Arbeitnehmer glaubten immer noch, sich ihre Arbeitnehmer aussuchen zu können.

Führungsfehler

„Wer falsch führt, falsche Anreize setzt, weiche Faktoren außen vor lässt und falsch bezahlt, der wird tatsächlich unter dem Mangel leiden“.
Sehen wir uns die Pflegebranche an, die dringend Personal sucht. Straubhaar: Es wird noch schlimmer. Bei seiner Befragung Hamburger Jugendlicher im Alter von 14-19 Jahren nach ihrem Berufswunsch, erhielt der Pflegeberuf nicht einmal ein Prozent. „Resignation sei fehl am Platz. Die Frage müsse lauten: Was machen wir falsch?“
Erforderlich seien bessere Ausbildung, bessere Bezahlung, bessere Arbeitszeitmodelle und Arbeitsbedingungen. Straubhaar: „Der Beruf braucht ein neues Image!“ und „ Wir dürfen den demografischen Wandel nicht als Teufel sehen, der alle Probleme verursacht“.

Unausgeschöpftes Potential

Das Potential unter- oder teilzeitbeschäftigter Frauen, der Älteren und Menschen mit Migrationshintergrund, ist noch nicht ausreichend ausgeschöpft.
Die Digitalisierung bietet Möglichkeiten Arbeit neu zu überdenken. „Jobs werden sich ändern. Stereotype und langweilige Tätigkeiten wird es nicht mehr geben müssen“, so Straubhaar. „offensiv, neugierig, kreativ sein – und in der Lage sein, die richtigen Fragen zu stellen; darauf kommt es immer mehr an“

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